Meine Reise zu den Bären nach China

Noch immer bin ich sehr betroffen, beeindruckt und positiv berührt von dem, was ich gesehen habe. Die Liebe, mit denen Jill und ihr Team die Bären betreuen, ist so deutlich spürbar, dass ich mit der Gewissheit zurückgekehrt bin, dass alles mindestens genauso ist, wie ich es mir vorgestellt habe.

Auf der Bärenrettungsstation gibt es unterschiedliche Bereiche für die Tiere. Da sind zum einen die "Hospitalbears". Das sind Bären, die erst vor kurzer Zeit operiert wurden. Die brauchen ganz besondere Betreuung, denn ihre Narben sind noch nicht ganz verheilt und müssen täglich desinfiziert und eingesprüht werden. Außerdem bekommen sie ein besonderes Kraftfutter mit vielen, vielen unterschiedlichen Früchten (ich habe sie selber geschnitten und zurechtgemacht - es ist so schön, wie liebevoll alles zubereitet wird - die Bären MÜSSEN einfach fressen und tun es mit Wonne!) Natürlich sind diese Tiere noch sehr angstvoll. Wenn man ihren Bereich zu einer Uhrzeit betritt, zu der ihnen früher der Gallensaft abgezapft wurde, reagieren sie nervös und verzweifelt. Es werden noch einige Tage ins Land gehen, bis sie darauf vertrauen, dass niemand ihnen jemals wieder wehtun wird ... Nach einiger Zeit durfte ich einen von ihnen auch duschen. Die Bärin genoss das sichtlich und streckte mir immer ihre Hinterfüße hin - die Gute liebt Fußmassagen! :-))) Jeden Morgen bin ich in den Bambuswald gegangen, um Zweige zu schneiden. Die Bären holen sie sich, spielen damit und fressen sie. Ein weiterer Bereich ist die Eingewöhnungsstation. Die Bären müssen lernen, mit ihren Artgenossen zurechtzukommen. Die meisten haben nie Berührung mit anderen Tieren gehabt und reagieren anfangs gereizt oder ängstlich. Es muss herausgefunden werden, wer sich mit wem verträgt (wie bei Menschen auch), damit dann entschieden werden kann, welche Bären zusammen in einem Abschnitt leben können.

An einer Operation durfte ich auch teilnehmen. Armer Bär, Jill und Gail bereiteten mich darauf vor, dass es wohl nicht gut ausgehen würde - der Mundinnenraum war gelb, so auch seine Augen und die Flüssigkeit, die uns entgegenkam, als Gail seine Bauchdecke öffnete. Die Leber war völlig zerfressen und nicht mehr funktionstüchtig. Der einzige Trost war, dass dieses Tier einige Jahre in Freiheit hat leben dürfen, bevor diese Organschädigungen - vielleicht als Spätfolge - zutage traten. Dennoch war es ein tief trauriger Moment, als wir seinen letzten Atemzügen zusahen ... Ich dankte dem Bären, dass er auf mich gewartethatte und mir erlaubt hat, ihn zu begleiten, so dass ich seine Pfote halten durfte mit dem stummen Versprechen, mich weiter für seine Artgenossen einzusetzen. Die gesunden, frohen Bären, die draußen im Teich plantschten, trösteten uns an diesem bewegenden Nachmittag.
Das Foto von Jill, Gail, der Tierarzthelferin (liebevoll "Nursie" genannt) und mir entstand an diesem Tag.

Ein großer Teil der Tiere ist jedoch mittlerweile gesund. Sie spielen, planschen im Wasser, rollen Abhänge hinunter, balgen miteinander oder dösen einfach in der Sonne. Ich habe mit angesehen, wie zwei Bären zum allerersten Male nach draußen gehen durften. Die Bärin lief sofort los, probierte den Elektrozaun an allen Ecken und Enden aus und verstand nicht, warum es jedesmal rummste. Der andere Bär, der übrigens nur ein Hinterbein hat, brauchte mehrere Stunden, bis er mit allen vorhandenen Füßen das unheimliche Gras betreten hat. Als er es endlich geschafft hatte, begann er mit Wonne zu graben! Es waren bewegende Momente. Andrew ist genauso groß und liebenswert wie es immer erzählt wurde. Freudig schlabberte er den Honig von unseren Händen (siehe Foto) - der Begriff "sanfter Riese" ist sehr zutreffend. Inzwischen hat Animals Asia Foundation ein schönes, großes Waldstück als Freigehege für die Bären direkt neben dem Gelände gekauft. Dieses wurde eingezäunt und die Tiere haben viel Platz und ihren eigenen, freien Lebensraum. Nach ihrer vollständigen Genesung werden die Bären dort freigelassen, so dass sie ein artgerechtes Leben führen können. Natürlich müssen sie nachwievor an festgelegten Futterstellen ihre Nahrung von Menschen bekommen, aber sie können nun Höhlen bauen, um Winterschlaf zu halten, sie schaffen sich ihre Privatsphäre und verschwinden im Gehölz, wenn sie ihre Ruhe haben wollen. Schön, nicht wahr? Als ich dort war, konnte man das Gelände bereits anschauen, das Freigehege, wie es heute existiert, war jedoch noch nicht fertiggestellt. Und nun sitze ich hier und würde so gerne das Schnalzen und Brummeln der Bären hören - ich habe es wahrlich lieben gelernt ...


Zum Seitenanfang ... zur Übersicht

© 2001- 2004 - CircleWeb - Internet Architects       
Alle Rechte vorbehalten - All rights reserved