"Wie bist du eigentlich auf die Bären in China gekommen?", werde ich häufig gefragt. Auslöser war ein sehr bewegender Artikel in der Zeitschrift "Stern" im Dezember des Jahres 2000. Dort wurde so anschaulich über das Leid der armen Tiere berichtet, dass ich es kaum ertragen konnte, Weihnachtsplätzchen zu essen und Geschenke einzukaufen im ständigen Bewusstsein, dass jede Minute ein Lebewesen unsagbare Schmerzen leidet - ohne Hoffnung auf ein Ende, ohne Aussicht auf Erlösung. Nun gilt dies natürlich nicht nur für die chinesischen Kragenbären, so viele Geschöpfe führen ein Dasein unter furchtbaren Bedingungen wie Folter, Hunger und Leid. Oftmals sind es nicht die äußeren Umstände, sondern wir Menschen, die dieses Elend verursachen und somit haben gerade wir, die wir in einem Land ohne Krieg und ohne Diktatur leben,
eine besondere Verantwortung. Ich bewundere Jill Robinson, die in jeder Konsequenz ihre eigenen Interessen bezüglich Lebensqualität, Lebensstandard und Bequemlichkeit zurückgestellt hat um den Tieren direkt vor Ort zu helfen, aus tiefstem Herzen. Beschämt erkannte ich, wie schwer es mir selber fällt, mir einen solch gravierenden Schritt auch nur vorzustellen und in mir entstand der Wunsch, zumindest ein Stückchen zum Gelingen ihrer Arbeit beizutragen. Jeder von uns hat die Chance, einen ganz kleinen Teil unserer Welt zu heilen und wenn wir diese wunderbare Aufgabe annehmen und uns darauf einlassen, können wir gemeinsam viel erreichen. Jill und ihr Animals-Asia-Team haben dies auf beeindruckende Weise gezeigt und ich glaube daran, dass wir viel bewegen können, sofern wir - anstatt vor dem breiten Spektrum zu resignieren - eine Wahl treffen und uns für einen wichtigen Bereich entscheiden, für den wir uns dann
einsetzen. Seit ich mich selber für "meine" geliebten Kragenbären in China engagiere, habe ich bereits sehr viel Unterstützung und Nähe durch bis dahin fremde Menschen erfahren dürfen und bin dankbar für die Bereicherungen in meinem Leben, die mir hierdurch zuteil geworden sind. Ob ich mir das Projekt vor Ort bereits angeschaut habe?
Ja, ich durfte schon einmal zu Jill Robinson und den Bären nach Chengdu reisen und ich bin für diese persönliche, tief bewegende Erfahrung unendlich dankbar. Meine Eindrücke habe ich in einer separaten Rubrik versucht, widerzugeben, doch Worte reichen kaum aus, um auszudrücken, was es mir bedeutet hat, täglich mit diesen liebenswerten Geschöpfen zu leben, ihr Brummeln zu hören, ihnen beim Spielen zuzuschauen und ihre neu erwachte Lebensfreude sowie ihre Vergebung zu fühlen. Die Wunden an ihrem Körper hinterlassen Wunden in unseren Seelen - tief bewegt und beeindruckt mich die unermüdliche Arbeit von Jill Robinson und ihrem treuen Team. Für mich sind Menschen wie sie die wahren Helden dieser Welt - nicht im offenen Kampf für Macht und Geld, sondern gewaltlos für das Leben und für die Liebe. Liebe kann heilen, Grausamkeit nicht. Meine Reise ging zuende, doch es bleiben die Bilder und die Emotionen. Das Brummen und Schnalzen der zottigen Tiere sind mir Ansporn, die Angst und die Traurigkeit in ihren Augen sind meine Sehnsucht, etwas daran zu ändern.
Ich glaube, dass wir eine Verantwortung für diese Welt und ihre Geschöpfe haben und dass jeder die Möglichkeit finden kann, einen ganz kleinen Teil zur Heilung des Ganzen beizutragen. Möge dies gelingen - mit Gottes Hilfe und mit der Hilfe all derer, die dazu beitragen, dass die Bären eines Tages alle ohne Schmerzen in Freiheit leben können.
Liebe kann heilen. Diese Erfahrung wünsche ich allen, die sich danach sehnen.
Danielle-Sofie Kirsch
Zur Person:
Ich wurde am 06.12.1963 in Göttingen geboren und bin in der Nähe von Hildesheim aufgewachsen. Nach dem Abitur machte ich eine Lehre als Bürokaufmann, nach deren Abschluss ich ein Lehramtsstudium absolvierte, das ich dank meiner Berufsausbildung selbst finanzieren konnte. Es war mir vergönnt, darüber hinaus 2,5 Jahre in einem Altenheim als Pflegerin zu arbeiten, was für mein Leben eine große Bereicherung war. Nach der Beendigung des Studiums trat ich mein Refrendariat in Hameln an und unterrichtete anschließend 7 Jahre an der Haupt- und Realschule am Schlosspark in Stadthagen. Mittlerweile bin ich Lehrerin an der Molitorisschule in Harsum und leite ein Deutsch-Fachseminar im AS Hildesheim. Meine Hobbies sind Fallschirmspringen, Reisen, Musik und - natürlich - BÄÄÄÄÄREN!!! Besonders freue ich mich über meinen neuen, bislang einzigartigen Titel als Deutschlands erste "Flugbärin" :)
Mein herzlicher Dank gebührt an dieser Stelle Herrn Christoph Meyer, der diese Website gestaltet hat, und Klaus Kinzig, ohne dessen engagierte Mitarbeit ich bei der Aktualisierung dieser Site längst verzweifelt wäre. Für Anregungen sind wir - wie schon an anderer Stelle gesagt - stets sehr
dankbar!
|